Slėnio Troliukai - Slėnis Trakuose

TALTROLLCHEN

Im Tal in Trakai, dort, wo sich die Bäume tief bis an den stillen Rand des Sees hinunterbeugen, erzählen die Menschen oft von seltsamen Geräuschen. Kein Wind, keine Tiere - irgendetwas dazwischen. Die älteren, langjährigen Feriengäste nicken dann nur leise: Trolle…

Einer von ihnen lebt näher am Wasser. Man spürt ihn noch bevor man ihn sieht - dort, wo die Steine ein wenig zu glatt wirken und der Schlamm am Ufer selbst während der Trockenheit weich bleibt. Der Troll ist langsam, aber nicht, weil er sich nicht schnell bewegen könnte - sondern einfach, weil er niemals Eile hat. Dieser Troll bewacht den See. Wenn jemand zu viel Lärm macht oder Müll hinterlässt, wacht die Person am nächsten Morgen auf und entdeckt, dass ihre Sachen an einen anderen Ort gebracht wurden… oder vollkommen durchnässt sind.

Der andere Troll lebt im Schatten, dort, wo die Wege beginnen, einen in die Irre zu führen. Die Bäume um sein Zuhause wachsen schief, als wollten sie ihm aus dem Weg wachsen. Dieser Troll beobachtet gern. Manchmal verdreht er die Wegweiser, manchmal vertauscht er Bänke oder hinterlässt seltsame Zeichen aus Ästen - als würde er versuchen, etwas zu sagen, nur eben nicht in einer menschlichen Sprache.

Zwischen den beiden besteht eine alte, stille Vereinbarung. Der eine beschützt den See, der andere das Land. Doch manchmal, an nebligen Abenden, treffen sie sich dort, wo der See auf das Gras und die Bäume trifft. Dann liegt die Oberfläche des Sees vollkommen glatt, und der Wald wird still.

Vor langer Zeit, als das alte Gutshaus noch bewohnt war, wussten die Menschen mehr über die Trolle. Schalen mit Milch wurden am Waldrand und nahe des Stegs zurückgelassen - nicht aus Angst, sondern aus Respekt. Und so blieb das Gutshaus verschont: Stürme mieden die Gebäude, und Reisende verirrten sich niemals.

Doch die Zeiten änderten sich. Die Bewohner des Gutshauses wurden durch Feriengäste ersetzt. Und außerdem glauben die Menschen heute nicht mehr wirklich daran.

Trotzdem geschehen manchmal seltsame Dinge, wenn sich einer der Gäste im Tal zufällig so verhält wie einst die Menschen des Gutshauses - wenn jemand ein kleines Geschenk zurücklässt, die Umgebung sauber macht oder einfach eine Weile still dasitzt.

Der Morgen wirkt heller. Der Nebel hebt sich schneller. Es fühlt sich an, als würden See und Land gemeinsam tief Luft holen.

Manche Menschen, die im Tal übernachten, bemerken mehr als andere. Nicht alle - nur diejenigen, die sich Zeit nehmen, um herumzulaufen, still zu bleiben und wirklich hinzuschauen. Diese Menschen beginnen merkwürdige Dinge zu finden … Buchstaben … eingeritzt in einen Baum … oder einen Stein … oder den Steg … überall verstreut. Anfangs schwer zu verstehen.

Man sagt, das seien nicht bloß Symbole.

Es sind Namen. Nicht offen niedergeschrieben - versteckt. Über das ganze Tal verstreut und in Stücke gebrochen. Um sie zu finden, muss man laufen … dem Ufer des Sees folgen … und sich vielleicht ein wenig verlaufen.

Diejenigen, die alle Buchstaben sammeln und richtig zusammensetzen, entdecken die wahren Namen der TROLLE.

Und dann… …wenn man diese Namen dort laut ausspricht, wo das Wasser den Bäumen begegnet, verändert sich das Tal für einen kurzen Moment.

Vielleicht wird der Wind still.

Vielleicht wird der See vollkommen glatt.

Und zugleich hört man aus dem Land und aus dem Wasser eine leise Antwort - wie zwei verschiedene Stimmen, die versuchen, einen zu begrüßen.

Man sagt: Wenn das Tal dir geantwortet hat, dann bist du hier kein Gast mehr.

Die Trolle sind noch immer hier. Sie beobachten. Und sie entscheiden, wer würdig ist, ein Freund des Tals zu werden.

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